Die Zahlen sprechen Bände – und sie machen Sorgen. Eine neue Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) zeigt: Immer mehr Schüler in Deutschland bleiben in Mathe und den Naturwissenschaften zurück. Besonders erschreckend ist, dass dieser Leistungsabfall bundesweit spürbar ist. Selbst starke Bildungsstandorte wie Baden-Württemberg bleiben davon nicht verschont. Warum ist das so – und was bedeutet das für die Zukunft deiner Kinder?
Mathe-Probleme: Ein bundesweites Phänomen
Der IQB-Bildungstrend 2023 hat die Leistungen von Neuntklässlern in vier Fächern untersucht: Mathematik, Biologie, Chemie und Physik. Das Ergebnis ist ernüchternd: In allen Bundesländern haben sich die Leistungen deutlich verschlechtert.
- In Mathematik und Chemie scheitert rund ein Viertel der Schüler an den Anforderungen der mittleren Reife.
- Etwas besser sind die Ergebnisse in Physik und Biologie, aber auch hier zeigt sich ein Abwärtstrend.
Besonders gravierend: Schüler erreichen selten die Regelstandards und verfehlen häufiger die Mindeststandards als noch in den Jahren 2012 und 2018. Leistungslücken treffen also nicht nur die Schwächsten – auch Gymnasiasten sind betroffen.
Unterschiede zwischen den Bundesländern
Auch wenn die schlechte Nachricht überall gilt, gibt es regionale Unterschiede:
- Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen schneiden im Vergleich zum Rest besser ab.
- Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und das Saarland liegen unter dem Durchschnitt.
Auffällig ist: Selbst in den „besseren“ Ländern wie Baden-Württemberg haben sich die Noten spürbar verschlechtert. Spitzenreiter zu sein reicht also nicht mehr – auch sie verlieren an Boden.
Was steckt hinter dem Leistungsabfall?
Die Forscher nennen mehrere Gründe:
- Die Corona-Pandemie hat langanhaltende Lücken im Unterricht hinterlassen – gerade in Mathe besonders spürbar.
- Ein wachsender Anteil an Schülern mit Zuwanderungsgeschichte bringt zusätzliche sprachliche Herausforderungen mit sich.
- Und nicht zuletzt: Das generelle Interesse an MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) nimmt weiter ab.
Der Bericht zeigt deutlich: Es handelt sich um kein vorübergehendes Tief, sondern um einen besorgniserregenden Trend. Die Bildung kommt aus dem Gleichgewicht.
Eltern, Schulen, Politik – alle sind gefragt
Theresa Schopper, Kultusministerin von Baden-Württemberg, macht klar: Die Verantwortung darf nicht allein bei den Schulen liegen. Auch Eltern müssen sich aktiver einbringen. Bildung ist Teamarbeit – zwischen Familie, Schulpersonal und Politik.
Expertinnen und Experten fordern daher:
- Mehr Sprachförderung – vor allem für Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache.
- Bessere Qualifizierung der Lehrkräfte – insbesondere im digitalen und methodischen Bereich.
- Enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kitas, Familien und der Kinder- und Jugendhilfe.
Was kannst du jetzt tun?
Wenn du Kinder im schulpflichtigen Alter hast, ist es wichtig, jetzt aufmerksam zu sein. Unterstütze dein Kind gezielt in Mathe. Frag nach, wie es ihm oder ihr im Unterricht geht. Gibt’s Lücken, hol frühzeitig Hilfe. Und bleib im Dialog mit Schule und Lehrpersonen.
Auch jenseits der Noten lohnt sich ein neuer Blick auf Mathematik und Naturwissenschaft: Warum nicht das Interesse wieder wecken – mit Spielen, Experimenten oder einem Besuch im Science-Center?
Fazit: Alarmstufe Rot für Mathe und Co.
Die IQB-Studie ist keine Momentaufnahme, sondern ein deutlicher Weckruf. Unsere Kinder verlieren die Verbindung zu den MINT-Fächern – und damit langfristig auch Chancen im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt.
Doch der Trend lässt sich umkehren. Dabei braucht es Engagement von allen Seiten – vor allem auch von dir als Mutter oder Vater. Denn Bildung ist kein Selbstläufer mehr.




