Norwegen hat es geschafft: Fast alle neu zugelassenen Autos sind elektrisch. Doch dieser Erfolg hat Folgen, die viele überraschen könnten. Jetzt wird die großzügige Förderung für E-Autos gestrichen – und das ausgerechnet, weil das ursprüngliche Ziel erreicht wurde.
98,3 % aller Neuwagen elektrisch: Ziel erreicht, Förderung endet
Norwegen galt lange als Vorreiter der Elektromobilität. Jahre lang wurden Elektroautos mit Steuervergünstigungen, Befreiungen von Mautgebühren und anderen finanziellen Vorteilen gefördert. Das Ziel war klar: Ab 2025 sollten alle neuen Pkw ausschließlich elektrisch fahren.
Laut Zulassungsstatistik vom September 2023 ist dieses Ziel bereits vorzeitig erfüllt: 98,3 Prozent aller neu verkauften Autos in Norwegen sind vollelektrisch. Der Anteil von Hybridfahrzeugen kommt noch hinzu. Verbrenner-Neuzulassungen sind fast bedeutungslos geworden.
Steuervergünstigungen laufen aus – E-Autos werden teurer
Die norwegische Regierung möchte nun die Steuererleichterungen für Elektroautos schrittweise bis 2027 komplett abschaffen. Bereits im Haushaltsplan für 2026 wurde dieser Kurs eindeutig angekündigt.
- Ab 2026 sind nur noch E-Autos von der Mehrwertsteuer befreit, deren Kaufpreis unter 300.000 Kronen (rund 29.700 Euro) liegt.
- Ab 2027 entfällt die Steuerbefreiung komplett – alle Elektroautos werden voll besteuert.
Damit betrifft die neue Regelung auch beliebte Mittelklassemodelle wie Teslas Model Y oder den Volkswagen ID.4. Diese Fahrzeuge werden künftig deutlich teurer.
Rückblick: Erste Steuererhöhungen schon 2023
Ein erster Schritt erfolgte bereits im Vorjahr: 2023 führte Norwegen eine Mehrwertsteuer für den Preisanteil oberhalb von 500.000 Kronen (ca. 42.600 Euro) ein. Betroffen waren vor allem Luxus-Modelle wie der Tesla Model X oder der Porsche Taycan.
Jetzt greift die Regierung tiefer – auch Mittelklassefahrzeuge sind künftig nicht mehr steuerfrei. Das könnte den Neuwagenmarkt für viele Menschen deutlich belasten.
Regierung verteidigt Schritt – doch nicht alle sind überzeugt
Finanzminister Jens Stoltenberg zeigt sich zufrieden:
„Unser Ziel war, dass ab 2025 alle Neuwagen elektrisch sind – das ist erreicht. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Vergünstigungen auslaufen zu lassen.“
Doch es gibt auch deutliche Kritik. Die norwegische Elektroauto-Vereinigung (Elbilforeningen) hält die Entscheidung für verfrüht. Vorsitzende Christina Bu warnt vor einem Rückschlag für die Mobilitätswende. Ihr Argument:
„Wenn die Preise sprunghaft steigen, könnten sich wieder mehr Menschen für Benzin- oder Dieselautos entscheiden – das wäre ein Rückschritt.“
Zwar sind die Neuzulassungen fast durchgehend elektrisch. Aber: 70 % aller Fahrzeuge auf norwegischen Straßen fahren noch mit fossilen Brennstoffen. Die Transformation des Gesamtbestands ist also längst nicht abgeschlossen.
Neue Zulassungsgebühren für Verbrenner als Gegensteuerung
Als Ausgleich plant die Regierung, die Zulassungsgebühren für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor weiter zu erhöhen. So soll verhindert werden, dass durch den Steueranstieg bei E-Autos wieder mehr konventionelle Fahrzeuge verkauft werden.
Ein cleverer Balanceakt – oder eine riskante Wette? Noch ist unklar, wie sich die Maßnahmen auf die Kaufentscheidungen der Norweger auswirken werden.
Was bedeutet das für den Rest Europas?
Norwegen zeigt, wie weit Elektromobilität getragen durch staatliche Förderung gehen kann – und welche Herausforderungen entstehen, wenn diese Förderungen wegfallen.
Für andere Länder, die noch weit hinter dem norwegischen Niveau liegen, könnte dies eine Warnung und Chance zugleich sein. Es gilt, klug zu planen: Wann ist der richtige Zeitpunkt, Subventionen abzubauen? Und wie bleibt der Markt dabei stabil?
In Norwegen beginnt nun ein neues Kapitel – eines, das genau beobachtet werden wird. Denn selten war der Ausgang einer Förderpolitik so spannend.




